Es sind keine schönenden Prozesse, es sind verändernde Prozesse, dicht am Objekt. Sie will nicht sanieren, sondern konservieren, den Jetztzustand erhalten und ihn gleichzeitig in die Sprache der Moderne übersetzen.
Dafür hat sie ihr ganz eigenes und sie prägendes Ausdrucksmedium gefunden: Die Wellpappe. Das scheinbare nutzlos gewordene Alltagsmaterial spiegelt für sie das Gefühl von Veränderung und Bewegung wider. Mit ihr lässt sich der Bruch mit der Harmonie, der Riss in der Stetigkeit und Geradlinigkeit des Denkens metaphorisch ausdrücken. Durch Reißen, Schneiden, Knicken, Aufbrechen der Pappe unterbricht sie die gleichmäßige Wellenform, durchbricht sie die statische Linienform und lenkt die Dynamik in andere Richtungen: Gegen den Strom!
(Auszüge aus der Rede von Anna-Lena Schneider, Kulturwissenschaftlerin, 06.07.2008, Burg Ziesar, anlässlich der Ausstellungseröffnung Ziegel_Rot.)
Eine Reise nach China 2007 brachte die Künstlerin zur Monotypie. Auch die chinesischen Rollbilder hinterlassen im Werk ihre Spuren.
Die Materialverdichtung der Collagen weicht nun dem Bedürfnis, im Ausdruck leicht und transparent zu werden. Verdichtung findet unter neuen Vorzeichen statt, wenn es nunmehr darum geht, sich auf das Wesentliche zu reduzieren. Neuer Ausdruck entsteht im Verzicht darauf, was wegfallen kann.
Kartonstücke und Textilien wandeln ihre Funktion: Eingestrichen mit Zeichentusche werden sie im Unikatdruck zum Druckmodul. Hauchfein sind die Strukturen des Abdrucks auf chinesischem Reispapier. Die weiße Fläche erhält plötzlich ganz neues Gewicht. Was bleibt nach dem Eintauchen in die völlig andere Kultur? Die Ästhetik der Leichtigkeit bereichert und verfeinert den eigenen Ausdruck. Mit dieser Form der Monotypie findet Annette Strathoff in Erwiderung der chinesischen Tuschmalerei zu einer eigenen Form.
Noch einmal ganz neue Effekte entstehen, wenn sie zwei unterschiedliche Techniken in einer Arbeit zusammenführt. Die Rede ist von der Integration von Collageelementen in die Monotypie.
Die Innenbilder von Annette Strathoff laden ein zur Kontemplation über die Vergänglichkeit – auch gemeint als ein Nachsinnen darüber, was bleibt.
„Das Schöne“, hat Hermann Hesse einmal geschrieben, „zieht einen Teil seines Zaubers aus der Vergänglichkeit.”
(Auszüge aus der Rede von Almut Andreae, Kunsthistorikern, 15.04.2010, MWFK, Potsdam, anlässlich der Ausstellungseröffnung WAS BLEIBT .)